Weil Freibäder und Fussballplätze die Gesundheit der Bevölkerung fördern, investieren Zürcher Gemeinden viel Geld darin. Sascha Ullmann sagt, als Gemeindepräsident von Zollikon, dass die öffentlichen Sportanlagen „enorm wichtig für den Zusammenhalt einer Gemeinde“ sind.

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Fussballplätze, Schwimmbäder und Sportanlagen aller Art. Diese sind für die Zürcher ebenso alltäglich wie der Blick auf den See. Welche Bedeutung haben diese Anlagen für die Gesellschaft und was kosten sie dem Staat und der Umwelt?
Von damals bis heute: Die Entwicklung von öffentlichen Sportanlagen
Um die Rolle und Wichtigkeit von öffentlichen Sportanlagen zu erkennen, müssen wir einen Blick in die Vergangenheit werfen: Als die Industrialisierung wie ein Sturm über Europa fegt, machte sie auch vor Zürich keinen Halt. Fabriken schossen in die Höhe, Schornsteine liessen Rauch aufsteigen und Menschen flüchteten in die Stadt auf Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Doch mit dem wirtschaftlichem Aufschwung kam auch die Schattenseite: Wenig Wohnraum, lange Arbeitszeiten und mangelnde Hygiene. Unter Druck der entstandenen Arbeiterbewegung, die harten Umstände der Arbeiter und Arbeiterinnen zu verbessern, investierte die Stadt Zürich unter anderem in öffentliche Sportanlagen: Zum Beispiel das Flussbad Schanzenzengraben, dass 1864 eröffnet wurde. Ab 1870 entstanden in vielen Quartieren Schulturnhallen, die nicht nur Kindern Bewegung und Gesundheit ermöglichten, sondern auch Vereinen mit Arbeitern und Arbeiterinnen. Während Zürich aktiv solche Anlagen schuf zogen die umliegenden Gemeinden und Städte nach: Winterthur eröffnete 1866 ein Volksbad. An Gemeinden wie beispielsweise Zollikon, welches über zwei Badeanstalten, drei Fussballplätze und einer Skate-Anlage verfügt, erkennt man wie Gemeinden und Städte es zunehmend in ihrer Verantwortung sahen Sport und Gesundheit für jeden zu ermöglichen.
Heute verfügt die Stadt Zürich über eine beeindruckende Infrastruktur. Besonders die 16 öffentlichen Badeanlagen ziehen viele Besucher und Besucherinnen an. Jährlich kommen über 1,8 Millionen Menschen.
Was öffentliche Sportanlagen wirklich Kosten
Sportanlagen bringen auch einige Herausforderungen mit sich. Der Bau, die Renovierung und der Unterhalt von öffentlichen Sportanlagen können einer Stadt oder Gemeinde eine beträchtliche Summe kosten. Um dem entgegenzuwirken, braucht es innovative Lösungen und Strategien. Ein Beispiel dafür ist die Sportanlage Heuried. Nach ihrer Sanierung 2017 für 93 Millionen Franken kombiniert sie öffentliche Nutzung mit kommerziellen Elementen. Das angegliederte Restaurant und Zusatzangebote wie Physiotherapie generieren Einnahmen, während die Eintrittspreise für das Schwimmbad und die Eisbahn moderat bleiben und somit die Möglichkeit für alle Sport zu treiben erhalten bleibt.
Nachhaltiger Sport: Wie öffentliche Sportanlagen klimafreundlicher werden
Sportanlagen stehen vor erheblichen Klimaherausforderungen. In Zürich verursachen die 300 städtischen Anlagen jährlich etwa 12.000 Tonnen CO2. Besonders problematisch sind die sieben Eissportanlagen, die allein 9,5 Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen, die gleiche Menge wie 2100 Haushalte. Die Stadt hat bereits wirksame Massnahmen ergriffen. Bei der Sanierung des Freibads Letzigraben wurden Solarpanels installiert, die jährlich 30.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Das renovierte Sportzentrum Oerlikon nutzt Abwärmesysteme und spart dadurch 40% Energie gegenüber dem Vorgängerbau. Auch die Gemeinde Zollikon setzt bei der Renovierung des Schwimmbad Fohrbach auf Photovoltaik-Anlagen. Sascha Ullmann erklärt: „Früher war das Schwimmbad ein grosser Energieverbraucher und es wird weiterhin viel Energie brauchen. Aber unser Ziel ist es, die Energie möglichst CO₂-neutral zu gewinnen. Deshalb heizen wir das Fohrbach mit Seewasserwärme und nutzen so viel Solarstrom wie möglich.“

Mit zwei Badeanstalten, drei Fussballplätzen und einer Skate-Anlage verfügt Ihre Gemeinde Zollikon über ein attraktives Sportangebot für die Öffentlichkeit. Sascha Ullmann, als wie wichtig bewerten Sie solche öffentlichen Sportanlagen für die Lebensqualität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Ihrer Gemeinde?
Ich finde es wichtig und bin stolz und sehr zufrieden, dass wir in Zollikon ein schönes Angebot an öffentlichen Sportanlagen haben. Der Wert solcher Sportanlagen ist während der Corona-Zeit deutlich geworden, da haben wir die grosse Sportanlage offengelassen und haben gemerkt, dass die Leute dies genossen haben. Das ist für mich der Beleg, dass wir gut aufgestellt sind und das ist enorm wichtig für den Zusammenhalt einer Gemeinde.
Inwiefern sollte die Gemeinde Zollikon aktiv in Sportanlagen investieren und wo soll sie sich eher auf private Initiativen verlassen?
Die öffentliche Hand hat den Auftrag, mit den Steuergeldern der Öffentlichkeit etwas zurückzugeben. Es ist wichtig, ein gutes Verständnis für die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung zu haben und da Unterstützung zu leisten. Es gibt aber auch kleinere Vereine, die wir teilweise finanziell unterstützen.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Zum Beispiel haben wir einem kleinen Sportverein Land abgegeben.
Was sind die aktuellen Faktoren, die dabei berücksichtigt werden sollten, wenn Sie jetzt eine neue Sportanlage in Zollikon bauen würden?
Platz! Haben wir noch Möglichkeiten? Wir müssen uns bewusst sein, dass unsere Gemeinde bereits gebaut ist. Wir haben nicht mehr viel freie Grundstücke. Wir haben jedoch das grosse Glück, im Zentrum von Zollikon eine so grosse grünflächige Sportanlage zu haben. Es wäre nur halbattraktiv, wenn man in der hintersten Ecke von den Gemeinden einen Sportplatz hat.

Wie wichtig beurteilen Sie es, dass man Sportanlagen, welche in der Vergangenheit gebaut wurden, erneuert und renoviert?
Das Hallenbad Fohrbach kostet 50 Millionen Franken, was auch für eine reiche Gemeinde wie Zollikon nicht wenig ist. Das Volk hat trotzdem klar gesagt, dass es das Bad weiterhin haben und auch finanzieren will. Wir bauen auch ein Open-Air-Fitnesspark. Es ist ein Treffpunkt und soll auch ein Ort für ein soziales Miteinander sein. In Zollikerberg ist ein Kinderspielplatz für die Bewegung von Kindern dazugekommen.
Ihre Partei, die GLP, fordert Netto-Null-Emission bis 2050. Welche Rollen könnte die kommunale Sportanlage in Zollikon mit dem Kontext Klimafreundlichkeit spielen?
Das beste Beispiel ist das Fohrbach. Früher war es ein grosser Verbraucher fossiler Energie und es wird weiterhin viel Energie brauchen. Aber unser Ziel ist es, die Energie möglichst CO₂-neutral zu gewinnen. Deshalb heizen wir das Fohrbach mit Seewasserwärme und nutzen so viel Solarstrom wie möglich. Bei Sportanlagen stellt sich die Frage: Ist Kunstrasen oder Naturrasen CO₂-freundlicher? Kunstrasen besteht aus Kunststoff, der produziert werden muss, während Naturrasen regelmässig gedüngt werden muss, was Methan freisetzen kann. Die richtige Balance zwischen Umweltfreundlichkeit und Sportqualität zu finden, ist nicht einfach.

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Sehen Sie ein Best-Practice-Beispiel in der Schweiz oder international, das Ihrer Gemeinde als Vorbild dienen könnten?
Heute ist es unerlässlich, über den Tellerrand hinauszuschauen und sich gut zu informieren, weil es um grosse Investitionen geht. Das haben wir im Fohrbach auch versucht: Wir haben uns andere Anlagen angesehen und uns ein Bild gemacht, was gut funktioniert und was die Leute anzieht. Man kann nicht immer alles eins zu eins übernehmen, weil die Rahmenbedingungen unterschiedlich sind.
Was für Gefahren und Risiken gibt es bei öffentlichen Sportanlagen?
Die Anlagen sind öffentlich, wodurch zum Teil Schwierigkeiten entstehen. Ab und zu gibt es Plätze, welche von gewissen Gruppen übermässig in Anspruch genommen worden sind, ohne auf sie Rücksicht zu nehmen. Solche Herausforderungen können nun mal bei öffentlichen Sportanlagen zu Stande kommen. Deshalb muss man die Anlagen betreuen und zum Beispiel einwenden, dass herumliegender Abfall und störender Lärm nicht geduldet werden.

