Um Netto-Null zu erreichen, will die Stadt Zürich ihre Wohnräume nachhaltig gestalten. In einem Interview haben wir einer Expertin Fragen gestellt, was für Pläne es dafür gibt.
Der Klimawandel fordert ein Umdenken. Um auf die Erderwärmung zu reagieren, reicht es nicht aus, den Abfall zu sortieren. Man muss auch anders bauen. Denn die Bau- und Immobilienwirtschaft hat einen erheblichen Anteil am Ausstoss von CO2.
In der Theorie ist ökologisches Bauen einfach: Die Gebäude sollen aus nachhaltigen Baumaterialien bestehen, die möglichst langlebig sind. Ausserdem soll auch die Energieerzeugung möglichst effizient und umweltfreundlich sein. Aber wie wird und kann das alles in der Praxis umgesetzt werden? Antworten darauf hat Elena Berta, Fachspezialistin für umweltgerechtes Bauen beim Hochbauamt Zürich.

Foto: Anthony Weibel
Frau Berta, welche Möglichkeiten gibt es in der Stadt Zürich, um Wohnraum nachhaltig zu gestalten?
Da gibt es sehr viele Möglichkeiten. Nachhaltigkeit heisst, viele Perspektiven zu berücksichtigen. Beim Amt für Hochbauten schauen wir Gebäude ganzheitlich an und schauen, wie man Liegenschaften ökologischer gestalten kann.
Können sie ein Beispiel machen?
Zum Beispiel ist es wichtig, dass der Bestand wiederverwendet wird weil die längere Nutzung von Bauteilen ökologisch sehr wertvoll ist. Um dies abzuschätzen brauchen und benutzen wir auch Reglemente und Grenzwerte, damit wir bestimmen können, ob etwas nachhaltig ist und ob es mit den Netto-Null-Zielen, die vom Zürcher Stimmvolk angenommen wurden, übereinstimmt.
Wie würde es unser Leben verändern, wenn nur noch nachhaltig gebaut würde?
Das ist eine sehr schwierige Frage, weil wir es nicht wissen. Das Streben nach einer nachhaltigen Baukultur ist ein fortlaufender Prozess, weil die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft immer neue Ansichten zur Nachhaltigkeit einbringt. Es müssen alle Faktoren berücksichtigt werden.

Foto: Stadt Zürich
Wie meinen Sie das?
Wenn ich zum Beispiel nur noch aus Holz baue, woher kommt denn das Holz? Vielleicht aus unseren Schweizer Wäldern, aber irgendwann sind diese kahl. Und so muss immer darüber nachgedacht werden, was ist der Effekt meiner Maßnahme. Und ist auch die noch nachhaltig? Dabei ist wichtig, die Innovation und Forschung voranzutreiben um neue Technologien und Materialien zu verwenden.
Was bräuchte es noch, damit noch mehr Bauherren nachhaltig bauen?
Es braucht viel Sensibilisierung. Auch wenn Nachhaltigkeit nicht neu ist, so wissen viele nicht, wie mit günstigen Mitteln nachhaltig gebaut werden kann oder es wird als Trend angesehen. Deshalb ist die Information und das Teilen von Wissen sehr wichtig, um alle auf das selbe Boot zu holen. Weil es alle braucht, um nachhaltig zu bauen.
Welche Rolle trägt die Forschung dabei?
Eine sehr wichtige. Deshalb muss die Schweiz als Forschungs- und Innovationsmarkt weiter wachsen. Die Stadt Zürich ist hier vorne mit dabei und unterstützt Start-Ups und die Forschung und Lehre zu diesen wichtigen Themen.

Foto: Stadt Zürich
Welche nachhaltigen Projekte hat die Stadt Zürich schon realisieren können?
Nun, da gibt es zum Beispiel das Juch-Areal in Altstetten. Es gilt als ein Vorreiter für die Nachhaltigkeit, weil es fast nur aus wiederverwendeten Bauteilen besteht. In diesem Punkt ist es wirklich einzigartig. Dies, weil es sehr viel Vorbereitung braucht, um so ein Projekt überhaupt in Gang zu bringen. Die Erfahrung aus dem Projekt ist dafür umso grösser und kann in weiteren Projekten angewendet werden.
Wie sieht die Zukunft der Stadt Zürich aus?
Die Stadt will sicherlich zuerst einmal Netto-Null bis 2035 erreichen und in Teilschritten den Wohnraum nachhaltiger gestalten. Deshalb ist es am allerwichtigsten, dass wir alles Schritt für Schritt angehen und machbare Ziele festsetzen.
