Rückblick auf die Ski-WM 2025

Odermatt hofft, dass das alles nicht selbstverständlich wird

Zwei Wochen lang dominieren die Schweizer die Ski-WM in Saalbach. Wir blicken zurück auf sieben spezielle Momente.         

In der ersten Februarhälfte fand im österreichischen Saalbach die Ski-WM statt.
Wer den Weltcup zum Massstab nahm, musste von den Schweizern einen Höhenflug erwarten. Und was sie lieferten, war vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als das.
Wir haben die WM mit sieben Momenten nachgezeichnet.

1. Die Misere der Schweizer Speed-Fahrerinnen

Seit 2013 gewannen die Speed-Fahrerinnen immer mindestens eine Medaille, seit 2021 inklusive Olympia sogar fünfmal Gold. In Saalbach ging für die Schweizerinnen diese Erfolgsserie zu Ende: Im Super-G landete Lara Gut-Behrami als Achte als einzige in den Top 10, in der Abfahrt war Corinne Suter als Siebte beste Schweizerin.

Trotzdem ist das für Suter nach ihrem Kreuzbandriss eine solide Leistung. Malorie Blanc, die Schweizer Newcomerin im Weltcup, ist ebenfalls zufrieden. Für sie war es in erster Linie eine «unglaubliche und wichtige Erfahrung». Speed-Trainer Roland Platzer sah eine Steigerung im Rennen im Vergleich zu den Trainings. Für Medaillen reichte es laut ihm nicht, da sich zu viele kleine Fehler eingeschlichen hätten.

2. Odermatt überholt gleich zwei Schweizer Skilegenden

Mit Marco Odermatt als Gewinner der Goldmedaille im Super-G endete eine lange Durststrecke seit Didier Cuches WM-Titel 2009 in Val d’Isère. Weltmeister in der Abfahrt ist Odermatt schon, im Riesenslalom sowieso, aber der Titel im Super-G fehlte ihm noch – bis jetzt.

«Ich wusste, dass es nicht besser geht», so Odermatt in seinem Siegesinterview. Sein Erfolg ist nicht nur aus Schweizer Sicht ein Triumph: WM-Titel in drei verschiedenen Disziplinen gelangen bisher nur drei Legenden: Pirmin Zurbriggen, Hermann Maier und Bode Miller. Odermatt zieht zudem im Ranking der Schweizer WM-Medaillengewinner an den zwei Ski-Helden Michael von Grünigen mit je zweimal Gold und Bronze und an Bernhard Russi mit zweimal Gold und einmal Silber vorbei.

3. Kahle Köpfe wegen eines der Jüngsten

Franjo von Allmen, einer der jüngsten im Schweizer Team, riskiert alles – und es lohnt sich. Er fährt in der Abfahrt mit knapp drei Zehnteln Vorsprung vor Vincent Kriechmayr auf den ersten Rang. Zudem holt Alexis Monney mit Bronze eine weitere Medaille – für die Schweizer könnte es kaum besser laufen.

Vor dem Rennen gab es eine Abmachung unter den Trainern: Bei einem Schweizer Doppelsieg muss alles weg. Weil es Gold und Bronze wurden, rasierte sich das ganze Team die Köpfe – immerhin teilweise. Viele liessen sich dazu überreden, nur Marc Rochat sagte: «Ich kann mich bis Sonntag nicht rasieren, sonst muss ich die Helmgrösse ändern.»

4. Der Doppelweltmeister, dem niemand an die Haare darf

Loïc Meillard kam gleich zweimal in den Genuss eines Weltmeistertitels und holte somit die 13. Medaille für das Schweizer Ski-Team, einerseits in der Teamkombination und andererseits im Slalom. Er ist der erste Schweizer Slalom-Weltmeister seit 75 Jahren. Zuletzt gelang dies Georges Schneider 1950 in Aspen.

Die letzte Slalom-Medaille holte Silvan Zurbriggen vor 22 Jahren. Er gewann damals überraschenderweise Silber.

Während sich die Speed-Kollegen nach ihrem Erfolg allesamt die Haare abrasierten, hielt sich Meillard zurück. Ist dieser Mann die Spassbremse des Teams? «Nein», sagt Kollege Daniel Yule, «für solche Dinge ist Loïc einfach zu diszipliniert.»

5. Camille Rast: von der Depression zum Weltmeistertitel

Die Walliserin gewinnt mit ihrer Lockerheit und einem überragenden Slalom-Lauf WM-Gold. Mit fast fünf Zehnteln Vorsprung auf die zweitplatzierte Teamkollegin Holdener holt sie Gold. Rast ist die sechste Schweizerin, die WM-Gold im Slalom gewinnt. 1991 gewann Vreni Schneider die letzte Goldmedaille.

Rast hat eine schwierige Zeit hinter sich. Sie litt am Pfeifferschen Drüsenfieber und einer Depression, zwischenzeitlich bat sie ihre Eltern, all ihr Skimaterial zu verkaufen. Nun ist sie Weltmeisterin und fitter denn je zuvor.

6. SRF-Zuschauerzahlen: Millionen schauen zu

Das Schweizer Fernsehen SRF dürfte nach 13 Tagen Ski-WM zufrieden sein mit den Zuschauerzahlen. Die SRF-Sport-App wurde in dieser Zeit 17,9 Millionen Mal besucht, insgesamt erreichte SRF 2,3 Millionen Deutschschweizer und Deutschschweizerinnen.

Allein bei den neun Medaillenzeremonien lag die Zahl der Zuschauenden bei einem Schnitt von 278’000 Personen. Bis zu 1,9 Millionen Menschen verfolgten auf SRF 2 den Abfahrts-Triumph von Von Allmen. 741’000 Personen sahen Meillards Slalom-Gold.

7. Gold, Silber und Bronze bei der Team-Kombination

Erstmals in der Geschichte der Ski-WM gab es die Team-Kombination. Diese besteht aus zwei Läufen: Ein Fahrer bestreitet die Abfahrt, später fährt der Kollege den Slalom. Die Zeiten werden addiert.

Und was kam bei dieser Neuheit heraus? Ein rein schweizerisches Männerpodest: Allmen/Meillard vor Monney/Nef (Silber) und Rogentin/Rochat (Bronze). Es ist der erste Schweizer Dreifachsieg an einer WM seit 38 Jahren.

8. Zugabe: Und es geht einfach weiter

Zehn Tage nach der WM machen die Schweizer da weiter, wo sie an der WM aufgehört haben: Von Allmen gewinnt in Crans-Montana vor Odermatt und Monney. Odermatt sagt dazu: «Wir müssen aufpassen, dass das nicht als selbstverständlich angesehen wird.»